Occupy Wallstreet Berlin

Ich bin hochgradig verärgert – und irgendwie froh, dass ich damit nicht ganz allein bin. Seit Jahren schon ärgere ich mich über Werbung von Banken und Versicherungen, weil sie typischerweise das Gegenteil von dem versprechen, was sie dann tatsächlich leisten. “Wie machen den Weg frei”, “Unterm’ Strich zähl ich” und so… :-)

Inzwischen hat das Ganze aber Dimensionen erreicht, die man getrost als bedrohlich bezeichnen kann. Es betrifft ganze Staaten, vielleicht sogar größere Konstallationen. Und das Schlimmste: Niemand scheint zu wissen, wie es eigentlich genau dazu kam und was man jetzt dagegen tun muss. So weit hätte es nie kommen dürfen. Ein klares Versagen derer, die darauf hätten Acht geben müssen: Die Politik. Denn das weltweite Finanzsystem zu durchschauen, kann man keinem “einfachen” Bürger zumuten. Dafür haben wir Experten, Abgeordnete, Minister. Sollte man denken. Blöd nur, dass die scheinbar auch nicht so genau wissen, worum es eigentlich geht. Und das wieder freut diejenigen, die ebenso prächtig wie skrupellos daran verdienen. Das macht mich wütend. Kein Geld für Bildung, aber Milliarden (unser Steuergeld!) zur Rettung von Banken, die sich mit spekulativen Finanzprodukten oder noch abenteuerlicheren Gebilden verzockt haben. Die Macht hat sich hier eindeutig in die falsche Richtung verschoben. In meiner Wahrnehmung hat die Politik entweder nicht das Wissen oder nicht das Interesse, die Dinge substantiell zu ändern. Stattdessen wird versucht, mit zweifelhaften Mitteln (sind doch letztlich auch nur ungesicherte Bürgschaften, oder?) Löcher zu stopfen, die absehbar von Mal zu Mal größer werden.

Wenn man also Banken retten muss, damit das System selbst überleben kann, warum dann nicht gleich auch die Regeln ändern? Ich bin kein Experte, aber es muss doch eine Regulierungsmöglichkeit geben, die Spekulation mit (potentiellen) Steuergeldern, also auch das Risiko dessen, zu verbieten. Da erscheint mir der Vorschlag von Gabriel, die Banken in Geschäfts- und Investmentbanken zu zerschlagen, zunächst recht plausibel. Vermutlich wird das nicht ganz ausreichen, es wäre aber mal ein Anfang. Vielleicht.

Irgendwo habe ich es mal aufgeschnappt: “Nicht die Krise ist das Problem, die Banken sind es.”

So. Genug gekotzt für heute.

[Update, ein paar Stunden später...]

Na geht doch…: Politiker erklären Banken zum Staatsfeind

Microfiche

Buchhaltung an sich ist mir ein Graus. Und der Tag, an dem sich das Zusammenstellen der Unterlagen für die Einkommensteuererklärung nicht weiter verschieben lässt, verdirbt mir bereits Wochen vorher den Appetit. Es sind geradezu körperliche Qualen, die ich dabei erleide. Dieses stundenlange Sortieren, Suchen, Lochen, Abheften, Einordnen, Kontieren, Rekapitulieren, Erbsen zählen. Zum Kotzen. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fehlt jedes Jahr genau ein Kontoauszug oder ein wichtiger Beleg, der einen weiteren Arbeitsgang erfordert und dazu führt, dass, nachdem er wiederbeschafft wurde, was in der Regel nicht am gleichen Tag möglich ist, ich mich einen weiteren Tag mit der verhassten Materie beschäftigen muss.

Dieses Mal waren es sechs fehlende Kreditkartenabrechnungen vom Januar bis Juni 2007. Irgendwann vor langer Zeit habe ich wohl mal zugestimmt, bei Vorliegen einer neuen Abrechnung per E-Mail informiert zu werden und online darauf zugreifen zu können. Was mir weder klar war, noch weiter auffiel, war die Tatsache, dass diese seit dem nicht mehr automatisch zugesandt wurden. Ebenfalls verschwiegen wurde, dass die Onlineverfügbarkeit auch auf lediglich 12 Monate begrenzt ist. Juli bis Dezember konnte ich also online finden, als PFD downloaden und ausdrucken. Für die fehlenden ersten sechs Monate musste ich mich per Kontaktformular an den Service der BERLINER BANK wenden, dem ich mein Anliegen mitteilte.

Bereits wenige Tage später erhielt ich auch einen Rückruf. Die Bearbeiterin wollte wissen, ob ich tatsächlich sechs Belege “bestellen” wollte, denn jede Kopie würde immerhin 5 Euro kosten. Da mir der Preis für einen simplen Ausdruck etwas übertrieben erschien fragte ich nach und wurde darüber belehrt, dass das erstens so in den von mir bereits akzeptierten AGB stünde und es zweitens eben mit erheblichem Aufwand verbunden wäre, die Kopien zu beschaffen, da diese nur noch auf Mikrofilm vorlägen und auch von der Filiale nicht mehr abgerufen werden könnten. Mikrofilm? Ich war versucht, sofort alle Konten zu kündigen und sofort die Bank zu wechseln, fragte aber erst höflich, ob man bereits von der Existenz anderer Speichermedien wisse und sich eventuell vorstellen könne, diese einzusetzen.

Ich erhielt keine plausible Antwort.

Auch nicht auf die Frage, weshalb die Online-Verfügbarkeit auf dünne 12 Monate beschränkt sei. (Hier war ich versucht, der Bank eine 500GB Festplatte zu Verfügung zu stellen, mit der sicherlich eine Million Kunden über ihre Abrechnungen der letzten hundert Jahre verfügen könnten. Aus Pietätsgründen nahm ich Abstand davon.)

Es half nichts, ich musste in den sauren Apfel beißen und die blöden “Mikrofilm-Kopien” bestellen, die ich auch wenige Tage später in meinem Briefkasten fand: Einfache DIN-A4 Ausdrucke, leicht verschmiert, Seite für Seite mit einem Stempel der Bank versehen. Wow! – Aber wie lautet schon der Werbespruch der BERLINER BANK: “Wir wollen Sie begeistern!”.

Eine mutige Aussage.