6. Berliner Kunstsalon

Keine Offenbarung, aber immerhin besser als die Wahlergebnisse: Der 6. Berliner Kunstsalon präsentierte neue und bekannte Kunst im immer wieder attraktiven Ambiente des Humboldt Umspannwerk in der Kopenhagener Straße. Weitgehend unkritisch, aufgewärmte Ideen, nichts wirklich Neues, aber immerhin ästhetisch. Oft. – So zumindest mein Eindruck. Aber sollte das alles sein?
Interessant auch der Kontakt zu den Künstlern oder deren Vertretern: Von gelangweilt und abwesend über genervt, arrogant bis hochmotiviert, informativ und aufdringlich war alles dabei. Das Publikum selbst kam mir nicht anders vor. Vielleicht sollte das mal Thema einer genaueren Betrachtung werden. Merkwürdige Szene.
H2

16 Uhr. Ein leerer Parkplatz. Keine Schlange an der Kasse. Niemand zu sehen – außer der Kassierin, die erschrocken aufschaut, als die Tür aufgeht und ich eintrete. Aber das könnte auch an meiner Erscheinung liegen.
Genau genommen bin ich der einzige Besucher der gut 2.000m² großen Ausstellung im “Glaspalast” genannten ehemaligen Industriegebäude – und ich blieb auch allein. Die “Sammlung Neue Kunst III” wird hier (und noch bis zum 8. März 2009) präsentiert. Ein paar Werke haben mir sehr gut gefallen, insgesamt allerdings eine eher unspektakuläre Darbietung. Aber die paar Minuten hat man ja immer… :-)
Was die Besucher angeht, so mag neben der Attraktivität der Ausstellung selbst auch der recht üppige Preis (7 Euro) und die wenig einladende Lage der Galerie eine Rolle spielen. Aber vielleicht ist das ja sonst gaaaanz anders.
Und wofür “H2″ steht, habe ich übrigens auch nicht heraus gefunden.
lab.30
Drei Tage mediale Künste in Augsburg – das 7. Kunstlabor “lab.30” präsentierte elektronische Kunst in Form von Installationen und Klängen. Der Veranstaltungsort abraxas ist zwar öffentlich nicht gerade bequem zu erreichen, aber der Weg lohnte sich.
Bereits das “Fett Mama” getaufte Objekt im Eingangsbereich erregte meine besondere Aufmerksamkeit: Ein umgebauter Kopierer vermischte vom Publikum dargebrachte Bilder und Soundsequenzen zu an Musikvideoclips erinnernde Filmsequenzen, die zeitversetzt über Monitore und Beamer dargestellt wurden. Spannend und sehr ästhetisch.
Insgesamt eine sehr interessante Ausstellung mit tollen Ideen, wenn auch nicht immer ganz neu. Die “Laserluftgitarre” im Dachboden hat Jean Michel Jarre bereits vor Jahren auf seinen Konzerten eingesetzt und das “Plattenspielerkonzert ohne Schallplatten” klang in meinen Ohren nur nach unmotiviert aneinander gereihten Lärmvariationen.
Die Webcam Livestreams aus der Schönhauser Allee oder das “Samplingplong” von Jörg Niehage fand ich da (neben vielen anderen) schon deutlich spannender.
Zumindest die Videoinstallation “Standard Time”, bei der 24 Stunden lang die jeweils aktuelle Zeit in einer großen Holzkonstruktion nachgebaut wird, habe ich schon auf der Transmediale in Berlin gesehen.
Insgesamt eine wunderbare Veranstaltung. Ich hätte mich geärgert, wenn ich sie verpasst hätte!



