Henkel ab

Da ist es nun geschehen. Ich weiß nicht, wie oft ich schon davon geträumt habe. Albträume waren es: Meine Lieblingstasste könnte entzwei brechen. Und nun, plötzlich, ebenso unerwartet wie unspektakulär ist es passiert. Einfach angehoben und ich hatte nur noch ein Stück des Henkels in den Fingern. Materialermüdung nennt man das wohl.

LieblingstasseEine lange Zeit haben wir gemeinsam verbracht. Wie unschwer zu erkennen, habe ich die Tasse in Toronto gekauft. Das war im Jahr 1985, kurz nach dem Abitur, als ich mit meinem Freund F. für ein paar Wochen den nördlichen Teil der Neuen Welt unsicher gemacht habe. Mehr als 20 Jahre ist das nun her. (Erstaunlich, dass Tassen überhaupt so alt werden können, ohne sich darüber zu beschweren.)

In vielen Küchen, in Neukölln, Tempelhof, Kreuzberg und Charlottenburg, hat sie seither gestanden, oft Trost und schöne Erinnerungen gespendet – mal abgesehen von ihrer wahren Bestimmung, die sie auch vortrefflich erfüllte, indem sie stets Kaffee oder Tee warm hielt. Auf Reisen war sie seit jener Zeit nicht mehr oft, obwohl die wichtigste Erinnerung, die ich mit ihr verbinde, eben das Reisen ist.

Auf ihrer letzten Reise wünsche ich ihr alles Gute.

Adieu!

Kommentare

Ein Kommentar zu “Henkel ab”

  1. paulanotes am 18. Oktober 2007 00:06

    Schade, ich habe sie auch gemocht – hat sie mich doch immer an ‘mein’ Toronto und das Tantchen dort erinnert. Magst sie nicht kleben und aufheben? Wenn nicht, wird die liebe Frau M. sie ganz bestimmt sanft in der Tonne betten am nächsten Mittwoch.

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