Strandleben
Man kennt das: Am Strand oder auf der Liegewiese breiten die einzelnen Gruppen ihre Decken und Handtücher aus. Kleine Inseln jeweils. Und – schon im eigenen Interesse – mit möglichst großem Abstand zu den anderen.
Aber was sind das für Menschen, die trotz riesiger freier Flächen ohne Zögern ihre Decken fast innerhalb unseres Lagers ausbreiten. Keine Spur von Diskretion, keine Zweifel und kein Blick zur Seite. Und schon geht es los: Mama lässt lautstark in englischer Sprache eines der beiden übergewichtigen Kinder wissen, dass sie wegen ihrer weißen Hautfarbe nicht so lange in der Sonne bleiben sollen, während das andere, dessen Anblick sehr an Wayne Rooney erinnert, bereits damit beschäftigt ist, irgendein Handyspiel mit auffälliger Geräuschentwicklung zu beginnen. Kurz darauf werden alberne Ballspiele ausgepackt und direkt vor meinen Füßen in Betrieb genommen. Natürlich nicht ohne den ebenso obligatorischen wie unerwünschten Ballkontakt mit Unbeteiligten.
Weil die Familie aus dem Königreich auf ihrer Decke dann doch etwas mehr Platz benötigt, wird kurzerhand unsere Luftmatratze beiseite geschoben. Warum auch auf die andere, völlig freie Seite ausweichen, wenn man sich doch so einfach neue Feinde machen kann.
Nicht, dass mich derartiges aus der Ruhe bringen würde, Fassungslosigkeit kann viele Gesichter haben, aber ich frage mich doch, was da in der Sozialisierung falsch gelaufen ist.
Kommentare
5 Kommentare zu “Strandleben”
Schreibe einen Kommentar


Tja, Kulturpessimisten reden dann gern davon, dass dies ein Zeichen unserer Zeit sei: Verlust von Intimität, Schamgefühl oder Feingefühl gegenüber den anderen.
Was soll’s, nicht verzagen, Platz unter der Sonne gibt’s genug – ich glaub’ sogar in bella Italia…
Good erholing weiterhin!
M.
Jaja, an dem Spruch “Der Mensch ist halt ein Herdentier” ist schon was dran …
Gruß, ein alter Einzelgänger
Dieses Verhalten ist doch etwas untypisch für Bewohner des vereinten Inselreichs.
Hatten die Probleme beim Geradeauslauf? Hiess einer J a c o b? Liefen sie k r e u z weise übers F e l d?
“Hüte dich vor Sturm und Wind und Deutschen die im Ausland sind”, pflegt mein Lieblingstantchen in solchen Situationen zum Besten zu geben. Der Spruch scheint beliebig auf Mitglieder anderer Nationen übertragbar zu sein.
oder aber es war der einzige Schattenplatz weit und breit ;) …
Sei froh, dass Dein Deckenende unseres Lagerplatzes noch am weitesten entfernt war!!!!!!